13.09.2011
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Nicole Richard






Geburtsdatum: 22.04.1957







Titel/Zusatzbezeichnungen:
Diplom-Pädagogin, Diplom-Psychogerontologin

Arbeitsschwerpunkt:
Vorträge, Schulungen, Weiterbildungen zum Kontext Demenz, spezifisch zum Thema
Integrative Validation®

Aktuelle Tätigkeit:
Referentin, Leitung des Institutes für Integrative Validation®

Berufliche Laufbahn:
Studium, Aufenthalte in den Niederlanden, Heimleitung, seit 1993 selbständig tätig in Fort- / Weiterbildung und Beratung für stationäre und ambulante Einrichtungen des Gesundheitswesens (Altenhilfe, Krankenpflege, Hospize usw.) Spezialisierung: Demenz.
Entwicklung der Integrativen Validation® seit 1989, Ausbildung von Autorisierten Trainerinnen der IVA seit 1993 Mitglied der Deutschen ExpertInnengruppe Demenz und der Bundesarbeitsgruppe Hospiz

Weitere Informationen zu Nicole Richard, der Integrativen Validation® sowie diversen Veröffentlichungen (Artikel in Fachzeitschriften, TV-Dokumentarfilm, Lehrvideo etc.) finden Sie unter www.integrative-validation.de

Vortrag:
Wir können mehr als denken - Lebenswelten bei Demenz und die Integrative Validation

Die Zahl von Menschen mit Demenz nimmt zu. In stationären und ambulanten Pflege- und Betreuungssituationen wächst die Unsicherheit und Belastung. Professionelle MitarbeiterInnen und Pflegende Angehörige sind bemüht, die „andere Wirklichkeit“ der Menschen mit Demenz nachzuvollziehen:
Menschen mit Demenz befinden sich häufig in anderen Erlebenswirklichkeiten. Sie machen „Zeitensprünge“ und erleben „innere Realitäten“, sie sind gefangen in ihren Gefühlen und Erinnerungen. Die aktuelle Realität scheint für sie nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Nun stellt sich die zentrale Frage: Wie finden wir als Pflege- und Betreuungskräfte Zugang zu der „verrückten“ Wahrnehmungswelt dieser Menschen? Wie gestaltet sich der Umgang mit ihnen? Wie kann eine Lebenswelt geschaffen werden, die Menschen mit Demenz Sicherheit und Geborgenheit bieten?

Die Integrative Validation® ist ein wertschätzender Umgang mit Menschen mit Demenz und stellt Ressourcen in den Mittelpunkt. Sie orientiert sich an der Wirklichkeitssicht dieser Menschen und erklärt deren Gefühle und Antriebe für gültig und richtungsweisend. Aufgebaut wird auf einer konkreten Methodik, die teamorientiert ist und pflegeplanerisches Handeln unterstützt. Das Unterstützen der Identität, des Gefühls der Zugehörigkeit und die Stärkung des Person-Seins stehen im Mittelpunkt. Neben dieser Umgangs- und Kommunikationsform stehen die Bemühungen um ein „angemessenes Milieu für Menschen mit Demenz“ im Mittelpunkt des Referates.

Durch einen verständlichen Vortrag lernen Pflegeprofessionelle und Interessierte die Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung und Kommunikation mit Menschen mit Demenz in agierender und reagierender Form kennen. Biografiebezüge und Lebensthemen werden als Basis und Referenz dem Ansatz der Integrativen Validation® zugrundegelegt.

Bei Interesse kann der Ansatz in einem Workshop am Nachmittag zum Themenfeld „Umgang mit Sexualität“ vertieft werden.

Workshop:
"Du hast aber einen schönen Busen" - Umgang mit Sexualität bei Menschen mit Demenz und die Integrative Validation.

In der gesellschaftlichen Wahrnehmung schienen sich Alter und praktizierte Sexualität bis vor nicht allzu langer Zeit auszuschließen. Dieses Tabu schlägt sich auf die Theorien und Konzepte der Pflege nieder. So beinhaltet das Konzept der Aktivitäten des täglichen Lebens zwar, sich als Mann und Frau zu fühlen, nicht aber als Mann und Frau auch sexuell zu handeln.

Menschen mit Demenz machen „Zeitensprünge“ und erleben „innere Realitäten“, sie sind gefangen in ihren Gefühlen und Erinnerungen. Die aktuelle Wirklichkeit existiert nicht mehr: So erleben sich diese Menschen häufig als jung, agil und – auch sexuell – leistungs- und handlungsfähig. Krankheitsbedingt fehlt die interne Kontrollinstanz, Generationengrenzen gehen verloren. In dieser „Innenwelt“ werden selbstverständlich junge PflegerInnen als potentielle Sexualpartner verstanden. Verbale Kommunikation versagt oft, wenn Pflegekräfte Übergriffe abwehren wollen. Ein beidseitiges Gefühlschaos ist nicht selten die Folge. Nun stellt sich die zentrale Frage: Wie gelingt ein professioneller und wertschätzender Umgang mit diesen brisanten Situationen? Wie können Pflegekräfte mit ihren Gefühlen von Empörung, Sprachlosigkeit, Ekel und Scham umgehen?

Die Integrative Validation® ist eine wertschätzende und ressourcenorientierte Kommunikations-methode. Sie erklärt Gefühle und Antriebe für gültig. Die Methode stellt eine differenzierte Wahrnehmung und Deutung der Sexualität des Pflegebedürftigen zur Verfügung. Dadurch werden Pflegekräfte in die aktive Lage versetzt, die Kommunikation – Grundlage jeder sozialen Beziehung – aufrechtzuerhalten. Angemessenes Handeln wird möglich.

Neben theoretischen Überlegungen erlernen TeilnehmerInnen des Workshops in behutsamen praktischen Übungen, wie bei sexualisierten Begegnungen einerseits die persönlichen Grenzen der Beteiligten berücksichtigt werden können, andererseits jedoch Sexualität als Grundbedürfnis der Menschen mit Demenz gelten und gelebt werden kann.